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Eingreifen oder Abwarten Konflikte unter Kinder

Eingreifen oder abwarten?

Diese Frage stellt sich oft mitten im Alltag mit Kindern

Zwei Kinder sind zusammen. Die Stimmung kippt ein wenig.
Ein Blick, ein Geräusch, eine Bewegung … noch ist nichts passiert, aber man spürt, es wird enger.
Soll ich jetzt eingreifen? Oder besser abwarten?

Genau an diesem Punkt kommt man immer wieder an, wenn Kinder in Konflikte geraten.
Gerade dann, wenn mehrere Kinder beteiligt sind, wenn Spannungen entstehen und man merkt, dass etwas in Bewegung ist – aber noch nicht genau weiß, wohin es sich entwickelt.

Eingreifen oder abwarten?

Diese Frage stellt sich oft mitten im Alltag mit Kindern

Zwei Kinder sind zusammen. Die Stimmung kippt ein wenig.
Ein Blick, ein Geräusch, eine Bewegung … noch ist nichts passiert, aber man spürt, es wird enger.
Soll ich jetzt eingreifen? Oder besser abwarten?

Genau an diesem Punkt kommt man immer wieder an, wenn Kinder in Konflikte geraten.
Gerade dann, wenn mehrere Kinder beteiligt sind, wenn Spannungen entstehen und man merkt, dass etwas in Bewegung ist – aber noch nicht genau weiß, wohin es sich entwickelt.

Kinder erleben Weihnachten als gemeinsames Ritual in der Natur

In solchen Momenten taucht häufig die Annahme auf, dass Freiheit – gerade in der Montessori-Pädagogik – gleichbedeutend sei mit Nicht-Eingreifen: Kinder „einfach machen lassen“, Situationen aushalten, auch wenn sie sich innerlich längst nicht mehr richtig anfühlen.

Dieser Gedanke verunsichert viele, denn einerseits möchte man Kindern Raum geben und andererseits spürt man die Verantwortung für die Kinder, für die Beziehung und für das Miteinander.

Zwischen diesen beiden Polen entsteht Spannung.
Nicht, weil man etwas falsch macht, sondern weil Freiheit und Verantwortung hier gleichzeitig im Raum stehen.

Zwischen Wahrnehmen und Entscheiden

In solchen Situationen läuft innerlich oft so viel gleichzeitig ab.
Gedanken an ähnliche Momente, an frühere Konflikte, an Situationen, in denen man vielleicht zu früh eingegriffen hat oder zu spät. Und während man die Spannung zwischen den Kindern wahrnimmt, meldet sich häufig auch die eigene Unsicherheit.
Dieses gleichzeitige Ziehen in unterschiedliche Richtungen.

Da ist der Wunsch, etwas zu schützen und zu begleiten, etwas zu klären, zu ordnen und zu entschärfen.
Und gleichzeitig die leise Frage, ob man dem Moment damit Raum nimmt, oder ihm gar etwas vorwegnimmt, das die Kinder vielleicht selbst hätten lösen können.

Oft mischen sich hier auch noch eigene Erfahrungen hinein. Das, was man selbst als Kind erlebt hat, oder das, was man sich heute für Kinder wünscht. All das ist in diesem Augenblick da, noch bevor eine Entscheidung getroffen wird, noch bevor man weiß, ob man eingreifen wird oder nicht.

Konflikte unter Kindern begleiten oder abwarten wann eingreifen?

Vielleicht geht es in solchen Momenten gar nicht sofort darum, die richtige Entscheidung zu treffen.
Nicht darum, ob man eingreifen sollte oder dürfte, sondern darum, zunächst einfach da zu sein  und wahrzunehmen was zwischen den Kindern geschieht.

Manchmal verändert sich schon etwas, wenn man präsent bleibt, ohne einzugreifen.
Wenn die eigene Ruhe spürbar wird und wenn die Kinder merken, dass jemand da ist, der aufmerksam hinschaut, ohne sofort zu übernehmen.

Und manchmal zeigt sich erst dann klarer, ob Unterstützung gebraucht wird oder ob der Moment seinen eigenen Weg findet.

Wenn Eingreifen notwendig wird

Und dann gibt es Situationen, in denen Abwarten allein nicht ausreicht.

Manche Situationen brauchen ein Eingreifen, manchmal auch ein unmittelbares Eingreifen. Denn dann geht es darum, Schutz zu geben, etwas zu ordnen oder eine Spannung zu begrenzen, die für die Kinder im Moment zu groß wird.
Eingreifen kann hier heißen, zwischen Kinder zu gehen, etwas klar zu benennen oder einen Rahmen zu setzen, der wieder Sicherheit schafft.

Dieses Eingreifen ist nicht gegen die Kinder gerichtet, es nimmt ihnen hier nichts an Freiheit oder Entwicklung weg. Im Gegenteil! Es entlastet, weil es zeigt, dass jemand Verantwortung übernimmt, wenn die Situation es braucht. Gerade hier kann ein klares, ruhiges Eingreifen Orientierung geben und den Kindern ermöglichen wieder Ruhe und Kontrolle in der Situation zu finden.

In anderen Momenten braucht es kein Eingreifen.
Dann sind die Kinder noch miteinander beschäftigt, sie reagieren aufeinander, probieren aus, geraten vielleicht kurz in Spannung – und finden wieder zueinander, ohne dass jemand von außen eingreifen muss.

Zurückhaltung heißt in diesem Fall aber nicht, wegzusehen oder sich innerlich zu entfernen!
Es bedeutet trotzdem dazubleiben, hinzuschauen und wahrzunehmen, was zwischen den Kindern geschieht und nicht vorschnell zu übernehmen.

Diese Form der Zurückhaltung lässt Kindern Zeit, zu erleben, was ihr Verhalten auslöst, und ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu sortieren.
Damit das gelingen kann, braucht es Vertrauen und gleichzeitig die Bereitschaft, jederzeit da zu sein, wenn Unterstützung gebraucht wird.

Missverstandene Freiheit

Genau an dieser Stelle wird oft deutlich, wie missverständlich Freiheit in der Montessori-Pädagogik verstanden werden kann.

Maria Montessori hat Freiheit nie als Grenzenlosigkeit gedacht. Freiheit war für sie immer eingebettet in einen Rahmen, der Orientierung gibt, Sicherheit schafft und Beziehungen schützt. Kinder sollten sich frei bewegen, frei wählen und eigene Erfahrungen machen können – aber nicht ohne Halt.

Dieser Halt und diese Verantwortung liegt bei den Erwachsenen.
In ihrer Präsenz und in ihrer Beobachtung. Erwachsene sollten nicht dominieren, nicht lenken und nicht vorschnell eingreifen, aber sie sollten ebenso wenig passiv bleiben oder sich zurückziehen, wenn Situationen für Kinder zu groß werden.

Aus dieser Sicht ist Eingreifen nämlich ganz und gar kein Widerspruch zur Freiheit. Es ist mehr ein Ausdruck von Verantwortung und ein Zeichen dafür, dass jemand da ist, der den Überblick behält und schützt, wenn es nötig ist. Gerade wenn mehrere Kinder beteiligt sind, braucht es diesen Rahmen, damit Freiheit überhaupt möglich wird.

Gleichzeitig bedeutet Freiheit eben auch, nicht jedes Spannungsmoment sofort aufzulösen und Kindern Zeit zu lassen, eigene Wege zu finden.

Echte Freiheit entsteht durch verlässliche Begleitung und durch Erwachsene, die wach sind, für den Moment und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, in beide Richtungen.

Maria Montessori war hier sehr klar

Maria Montessori war in diesem Punkt sehr klar.
Verhalten, das andere stört oder unterbricht, sollte nicht lange bestehen bleiben. Nicht aus Strenge heraus, sondern aus Verantwortung für das Miteinander, damit sich Situationen nicht weiter aufschaukeln.

Diese Klarheit ist kein Widerspruch, sondern eine wichtige Voraussetzung.
Montessori achtete sehr bewusst darauf, worauf wir Erwachsene reagieren und worauf nicht. Störendes Verhalten wurde begrenzt und konstruktives Tun wurde geschützt und begleitet.
Sie setzte genau dort an, wo Entwicklung möglich wird: in der konzentrierten Arbeit, im selbst gewählten Tun, im wiederholten Üben. Hier sollte Kindern die größtmögliche Freiheit gegeben werden. Freiheit, sich im eigenen Tempo zu vertiefen, selbst zu steuern und zu wiederholen.

Durch klare Reaktionen und verlässliche Rahmenbedingungen, die von Erwachsenen gegeben wurden, entwickelte sich bei den Kindern Orientierung dafür, wie Zusammenleben gelingen kann –> ganz ohne Strafen oder Belohnungen.
Montessori ging es dabei nie darum, Verhalten einfach nur zu unterbinden, sondern darum, das Miteinander zu schützen und einen respektvollen, freundlichen Umgang zu ermöglichen, gerade dort, wo Kinder ihn noch nicht selbst regulieren können.

Unterschiedliche Hintergründe

In der Praxis kommt noch etwas Entscheidendes hinzu.
Kinder bringen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit. Sie wachsen in verschiedenen Familien auf, mit unterschiedlichen Regeln, Grenzen und Formen von Nähe.
Was für das eine Kind vertraut ist, kann für ein anderes neu, irritierend oder sogar verunsichernd sein.

Gerade wenn mehrere Kinder zusammenkommen, treffen diese unterschiedlichen Hintergründe aufeinander. Das macht soziale Situationen immer etwas komplexer und gerade für Kinder nicht immer leicht zu überblicken.

Umso hilfreicher ist es, wenn von Anfang an ein verlässlicher Rahmen spürbar und greifbar ist. Ein geschützter Rahmen, der nicht jedes Mal neu ausgehandelt werden muss, sondern durchgehend trägt. Klare Grenzen, die schnell und zuverlässig gesetzt werden, geben Orientierung, ganz unabhängig davon, was Kinder aus ihrem Elternhaus kennen.

Wenn der Rahmen fehlt

Genau an dieser Stelle zeigen sich auch die menschlichen Grundbedürfnisse (Humanen Tendenzen) und das, was Kinder wirklich brauchen.
Sie brauchen Orientierung und Klarheit, wie die Luft zum Atmen. Nicht, weil sie begrenzt werden wollen, sondern weil sie sich nur dann sicher bewegen können.

Kinder suchen nach genau diesem Rahmen und prüfen ihn, tasten sich heran, stoßen an Grenzen. All das passiert nicht, um sie zu sprengen, oder um uns zu ärgern, sondern um herauszufinden, ob sie wirklich tragen. Werden Grenzen, klar und verlässlich gesetzt, entsteht Sicherheit. Freiheit entsteht hier nicht im Ungefähren, sondern dort, wo Kinder wissen, woran sie sind.

Das gilt nicht nur für den Kindergarten oder die Schule, sondern genauso für das familiäre Umfeld.
Auch hier gehört es nicht dazu, dass Kinder sich an den Haaren ziehen, sich schubsen, anschreien, beschimpfen oder ihre Energie ungebremst am anderen auslassen.
Wenn solche Situationen immer wieder entstehen, dann fehlt etwas.

Was fehlt, ist meist kein guter Wille.
Es fehlt Orientierung.
Es fehlt ein klarer, geschützter Rahmen, der sagt: So gehen wir hier miteinander um.

Wenn ihnen das jedoch fehlt, dann versuchen sie selbst Kontrolle herzustellen und die Überforderung zu kompensieren.
Das geschieht zum Beispiel über Lautstärke, über Körperlichkeit, über Dominanz oder Rückzug. Nicht, weil sie „schwierig“ sind oder Grenzen bewusst überschreiten wollen, sondern weil sie etwas brauchen, das ihnen gerade fehlt.

Was Kinder hier entlastet, ist ein verlässlicher Rahmen – genau an dieser Stelle.
Er beantwortet quasi alle Fragen, die Kinder sonst selbst klären müssten:
Wie gehen wir hier miteinander um?
Was ist erlaubt und was nicht?
Wer übernimmt Verantwortung, wenn es schwierig wird?

Sind aber all diese Fragen geklärt, kann sich Energie wieder dorthin bewegen, wo Entwicklung möglich ist: in Spiel – in die Arbeit, in Beziehung, in soziale Auseinandersetzung, die nicht verletzend sein muss.

Gibt es eine Anleitung?

Und falls du an dieser Stelle darauf gewartet hast, dass ich nun eine klare Anleitung gebe, dann muss ich dich enttäuschen.
So einfach ist es leider nicht …

Es gibt keine festen Regeln, die sich auf jede Situation übertragen lassen. Keine Schablone, die immer passt. Genauso wenig, wie es eine Anleitung für Beziehung oder die Liebe gibt. ; )

Was es aber gibt, ist eine Haltung.
Eine Haltung, die beobachtet, Verantwortung übernimmt und bereit ist, sowohl einzugreifen als auch auszuhalten. Nicht perfekt und nicht fehlerfrei, und das muss sie auch nicht.
Diese Haltung entwickelt sich im Tun, im Ausprobieren und im täglichen Dazulernen.
Manchmal passt etwas und manchmal nicht – beides gehört dazu ; )

Konflikte unter Kindern begleiten oder abwarten wann eingreifen?

Wo es aber körperlich und psychisch verletzend wird, endet das Abwarten.
In diesen Situationen geht es nicht mehr um Aushandeln oder Beobachten. Dann braucht es ein klares, sofortiges Eingreifen – zum Schutz aller Beteiligten.
Es braucht hier auch keine Häufung der Vorfälle. Ein einzelner Übergriff reicht aus, um zu handeln.

Dabei ist trotzdem wichtig zu verstehen, dass nicht jedes körperliche Verhalten aus böser Absicht entsteht. Manche Kinder handeln impulsiv, aus Überforderung, aus Nähebedürfnis oder weil ihnen andere Ausdrucksformen noch fehlen.
Für das Kind, das jedoch davon betroffen ist, macht diese Unterscheidung nämlich keinen Unterschied. Übergriffe bleiben Übergriffe, unabhängig von der Absicht.
Und genau deshalb brauchen sie eine klare, verlässliche Unterbrechung.

Sieh es nicht als Strafe, sondern als Schutz. Nicht, um Kinder zu beschämen, sondern um Sicherheit herzustellen und zu gewährleisten. Kinder erfahren und lernen in diesen Momenten, dass es einen Rahmen gibt, der gilt, und zwar für alle.
Und dass Erwachsene diesen Rahmen immer zuverlässig halten, auch dann, wenn die Situation emotional oder unübersichtlich wird – egal was kommen mag.

In diesen Diskussionen werden unterschiedliche Dinge oft miteinander vermischt.
Spielerisches Kräftemessen, Raufen oder körperliches Spiel, bei dem alle Beteiligten einverstanden sind, ist etwas anderes als körperliche oder psychische Gewalt.

Entscheidend ist dabei nicht die Bewegung an sich, sondern die Situation, in der sie stattfindet. Können alle Kinder freiwillig mitmachen?
Können sie jederzeit aussteigen?
Fühlen sich alle sicher – körperlich sowie emotional?

Dort, wo dieses Gleichgewicht nicht gegeben ist, und Kinder nicht frei ein- und aussteigen können, dort wo Angst entsteht oder ein Machtgefälle spürbar wird, braucht es Schutz.
Und zwar sofort.
Nicht, um Erfahrungen zu verhindern, sondern um Verantwortung zu übernehmen und Sicherheit herzustellen. Gerade für das betroffene Kind macht es keinen Unterschied, ob etwas „nicht so gemeint“ war. Was zählt, ist das Erleben. Und dieses Erleben braucht Erwachsene, die hinschauen, benennen und handeln.

Resilienz braucht Schutz

Resilienz wird in diesem Zusammenhang oft missverstanden.
Nicht selten schwingt hier diese Vorstellung mit, dass Kinder möglichst viel aushalten müssen, um stark zu werden. Dass sie lernen sollen, sich „durchzubeißen“, Spannungen zu ertragen oder Verletzendes auszuhalten, um daran zu wachsen, weil das Leben halt so ist …

Doch Resilienz entsteht nicht dort, wo Kinder sich selbst überlassen bleiben.
Sie entsteht dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen und wo sie sich sicher fühlen.
Wo sie wissen, dass Erwachsene eingreifen, sobald Grenzen überschritten werden.
Hier können sie Spannung wirklich verarbeiten, eigene und fremde Gefühle wahrnehmen, einordnen und regulieren – statt sie zu verdrängen. Resilienz bedeutet also bitte nicht, weniger zu fühlen. Es bedeutet, mit Gefühlen umgehen zu können.

Denn müssen Kinder immer wieder aushalten, ohne dass Schutz gegeben ist, passiert etwas ganz anderes. Sie passen sich an und werden leiser, sie ziehen sich zurück oder funktionieren nach außen. Und das eben nicht, weil sie stark geworden sind, sondern weil sie gelernt haben, dass ihre Signale nicht aufgegriffen werden.

Das ist in meinen Augen keine Resilienz.
Das ist Überanpassung.

Echte Resilienz entsteht dort, wo Kinder erleben, dass ihre Gefühle gesehen werden und Erwachsene da sind, die Verantwortung übernehmen und mich schützen.

Da sein, wenn es darauf ankommt

In meiner Ausbildung haben meine Dozentinnen immer wieder einen Satz gesagt, der mir bis heute geblieben ist:
„Es braucht erwachsene Erwachsene.“

Dieser Satz fasst genau das zusammen, worum es hier heute geht.
Nicht immer perfekt zu reagieren und nicht immer sicher zu sein, aber bereit zu sein, hinzuschauen und zu handeln, wenn Schutz gebraucht wird und gleichzeitig abzuwarten, wenn Entwicklung Zeit braucht.

Konflikte unter Kindern begleiten oder abwarten wann eingreifen?

Vielleicht ist es am Ende ja genau dieser eine Moment …
Zwei Kinder. Eine spürbare Spannung.
Und eine erwachsene Person, die nicht sofort weiß, was richtig oder perfekt ist, aber die bereit ist, dazubleiben und Verantwortung zu übernehmen.

© Montessori-Online, Jänner 2026 · Geschrieben von Birgit Salvenmoser dipl. Montessori-Pädagogin (Montessori-Akademie | ÖMG)


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